Seit Anbieter verpflichtet sind, dynamische Tarife anzubieten, tauchen sie in jedem Vergleichsportal auf. Die Werbung zeigt gern die Stunden mit negativen Börsenpreisen. Die Rechnung, die zählt, sieht anders aus.
Was tatsächlich schwankt
Dynamisch ist nur der Energieanteil des Strompreises. Netzentgelte, Messstellenentgelt, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umsatzsteuer bleiben unverändert — und sie machen zusammen den größeren Teil der Rechnung aus. Eine Stunde mit einem Börsenpreis nahe null bedeutet daher nicht, dass Strom in dieser Stunde nichts kostet.
Wer profitiert
Der Vorteil entsteht ausschließlich durch Lastverschiebung. Konkret profitieren Haushalte mit mindestens einem großen, zeitlich steuerbaren Verbraucher:
- Wärmepumpe mit Pufferspeicher: kann in günstigen Stunden vorladen
- Elektroauto: lädt planbar über Nacht, oft mit mehreren Stunden Spielraum
- Heimspeicher mit Preissteuerung: kauft günstig ein und entlädt in teuren Stunden
Wer zwei dieser drei Punkte erfüllt, kann einen erheblichen Teil des Jahresverbrauchs in günstige Stunden verschieben.
Wer besser bei Festpreis bleibt
Haushalte ohne steuerbare Großverbraucher verschieben im besten Fall die Waschmaschine. Der Effekt liegt dann im Bereich weniger Euro pro Monat, während das Risiko bleibt: In Kältephasen mit geringer Erzeugung erreichen die Börsenpreise über Stunden ein Vielfaches des Mittelwerts — und genau dann läuft die Heizung.
Die Voraussetzungen
Notwendig ist ein intelligentes Messsystem, weil stundenscharf abgerechnet wird. Der Einbau läuft über den Messstellenbetreiber, die Entgelte dafür sind gesetzlich gedeckelt. Ohne dieses Messsystem ist ein dynamischer Tarif technisch nicht möglich.
Worauf im Tarifvergleich zu achten ist
- Aufschlag des Anbieters auf den Börsenpreis — er ist der eigentliche Wettbewerbsparameter
- Grundgebühr und Messstellenentgelt, getrennt ausgewiesen
- Abrechnungstakt: stündlich oder viertelstündlich
- Steuerbarkeit: Lässt sich der Tarif mit einem Energiemanagementsystem automatisieren, oder müssten Sie manuell reagieren?
Die ehrliche Zusammenfassung
Ein dynamischer Tarif ist ein Werkzeug für Haushalte, die Flexibilität besitzen und automatisieren können. Als Sparmodell für alle taugt er nicht — und das ist keine Kritik am Modell, sondern seine Funktionsweise: Er bezahlt Flexibilität. Wer keine hat, bekommt nichts bezahlt.