Auf Mehrparteienhäusern liegt viel ungenutzte Dachfläche. Dass sie selten belegt wird, liegt weniger an der Technik als an der Rechtslage: Wer Strom an Bewohner liefert, übernimmt Pflichten, die über den Betrieb einer Anlage weit hinausgehen. Das Energierecht kennt dafür inzwischen zwei Wege.
Mieterstrom: der Betreiber als Lieferant
Beim Mieterstrom versorgt der Betreiber die teilnehmenden Bewohner mit Strom – vom Dach und, wenn das Dach nicht reicht, mit zugekauftem Reststrom. Er wird damit zum Energieversorger mit Liefervertrag, Rechnung und Kennzeichnungspflichten. Der Preis ist gesetzlich gedeckelt und muss unter dem örtlichen Grundversorgungstarif liegen. Für den an Bewohner gelieferten Strom gibt es den Mieterstromzuschlag nach dem EEG.
Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung: anteilige Zuordnung
Seit dem Solarpaket I gibt es mit der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung eine schlankere Variante. Der Dachstrom wird den teilnehmenden Wohnungen nach einem vereinbarten Schlüssel zugerechnet, jede Wohnung behält aber ihren eigenen Liefervertrag für den Reststrom. Der Betreiber muss keine Vollversorgung anbieten. Einen Mieterstromzuschlag gibt es für dieses Modell nicht; der Vorteil liegt im vermiedenen Strombezug.
Das Messkonzept entscheidet
Beide Modelle setzen voraus, dass erfasst wird, wie viel Dachstrom in welcher Wohnung ankommt. Bei der Gebäudeversorgung geschieht das viertelstündlich, was intelligente Messsysteme für Anlage und teilnehmende Wohnungen voraussetzt. Das Messkonzept sollte mit Netzbetreiber und Messstellenbetreiber abgestimmt sein, bevor die Anlage geplant wird.
Welcher Weg passt
Mieterstrom lohnt sich eher für größere Gebäude und professionelle Betreiber, die Abrechnung und Lieferung ohnehin organisieren. Die Gebäudeversorgung richtet sich an Eigentümergemeinschaften und kleinere Vermieter, denen Mieterstrom zu aufwendig war. In beiden Fällen gilt: Bewohner können frei entscheiden, ob sie teilnehmen; ein Zwang zur Abnahme besteht nicht.
