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Ressort · Börse und Tarif

Strommarkt und Strompreise

Der Strompreis an der Börse ändert sich jede Viertelstunde, der Preis auf der Haushaltsrechnung kaum. Dazwischen liegen Netzentgelte, Steuern, Abgaben und die Beschaffungsstrategie des Lieferanten. Dieses Ressort erklärt, welcher Teil des Preises vom Markt kommt — und welcher nicht.

Die Börse bestimmt nur einen Teil des Haushaltsstrompreises. Den Rest legen Netzbetreiber und Gesetzgeber fest.

Zählerschrank mit mehreren Stromzählern in einem schlicht gefliesten Kellerraum
Am Zähler kommt ein Mischpreis an. Wie stark die Börse durchschlägt, hängt vom Tarif ab, den man dahinter vereinbart hat.

Einordnung

An der Strombörse bildet sich der Preis für jede Viertelstunde des Folgetags im sogenannten Merit-Order-Verfahren: Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten sortiert, den Preis setzt das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage noch gebraucht wird. Wind und Sonne haben nahezu keine Grenzkosten. Je mehr sie liefern, desto weiter rutscht der Preis nach unten — bis er an sonnigen, verbrauchsarmen Tagen unter null fällt.

Auf der Rechnung eines Haushalts macht die Beschaffung nur einen Teil des Preises aus. Hinzu kommen Netzentgelte, die je nach Netzgebiet erheblich voneinander abweichen, die Stromsteuer, die Konzessionsabgabe, weitere Umlagen, die Mehrwertsteuer und die Kosten für den Messstellenbetrieb. Diese Bestandteile folgen nicht dem Börsenpreis, sondern Verordnungen, Festlegungen der Netzagentur und kommunalen Verträgen.

Wie stark Börsenschwankungen ankommen, hängt am Tarif. Ein klassischer Festpreistarif glättet sie über Monate. Ein dynamischer Tarif gibt sie stündlich oder viertelstündlich weiter — mit Chancen für Haushalte, die Verbrauch verschieben können, etwa beim Laden eines Elektroautos, und mit Risiken für alle anderen. Seit 2025 muss jeder Lieferant einen solchen Tarif anbieten, nutzbar ist er aber nur mit einem intelligenten Messsystem.

Worauf es ankommt

Vier Punkte, die in diesem Ressort regelmäßig unterschätzt werden.

01

Negative Preise sind ein Netzsignal

Sie zeigen, dass zu bestimmten Stunden mehr Strom erzeugt wird, als das Netz verbrauchen oder abtransportieren kann. Für neue Anlagen hat der Gesetzgeber deshalb die Vergütung in diesen Stunden gestrichen.

02

Netzentgelte driften auseinander

In Regionen mit viel Ausbau steigen die Netzkosten, weil dort investiert werden muss. Wie diese Kosten fair verteilt werden, ist eine der offenen Fragen der Netzregulierung.

03

Dynamisch heißt nicht automatisch günstiger

Ein dynamischer Tarif lohnt sich nur, wenn Verbrauch tatsächlich in günstige Stunden verschoben wird. Ohne steuerbare Geräte wie Wallbox, Wärmepumpe oder Speicher ist der Vorteil gering.

04

Der Marktwert Solar sinkt mit dem Ausbau

Weil viele Anlagen zur selben Zeit einspeisen, erzielt Solarstrom an der Börse im Schnitt weniger als der Durchschnittsstrom. Das betrifft vor allem Anlagen in der Direktvermarktung und ausgeförderte Anlagen.

Beiträge im Ressort
Begriffe aus diesem Ressort
Negative Strompreise
Börsenpreise unter null, bei denen Erzeuger dafür bezahlen, dass ihr Strom abgenommen wird.
Marktwert Solar
Durchschnittlicher Börsenwert von Solarstrom in einem Monat, gewichtet nach den Stunden, in denen Solaranlagen tatsächlich einspeisen.
Direktvermarktung
Verkauf von Solar- oder Windstrom über einen Händler an der Börse statt Abnahme gegen feste Vergütung durch den Netzbetreiber.
Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Wenn mehr Strom erzeugt wird, als zur selben Zeit verbraucht, gespeichert oder exportiert werden kann. Manche Kraftwerke lassen sich nicht schnell herunterfahren, und ältere geförderte Anlagen werden unabhängig vom Preis vergütet. Dann zahlen Erzeuger dafür, dass ihr Strom abgenommen wird.

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